Medizintechnik Industrie in Deutschland: Unser Branchenreport

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Listenchampion Branchen Reports (Teil 1)
Die Medizintechnik Industrie in Deutschland: Umsätze, Statistiken, Hintergründe

Marktführer deutsche Medizintechnik
© Drägerwerk AG & Co. KGaA

Deutschland ist neben den USA und Japan eines der Länder mit den meisten Medizintechnik-Anbietern. Der Umsatz der deutschen MedTech-Industrie lag 2019 bei 33,4 Milliarden Euro. Neben ihrer wirtschaftlichen Bedeutung ist die Branche mit rund 210.000 Beschäftigten ein wichtiger Arbeitsmarktfaktor. Die ausgesprochen kleinteilig organisierte Branche ist vorwiegend durch mittelständische Unternehmen geprägt. Die deutsche Medizintechnik-Industrie belegt den zweiten Platz der weltweiten Patentanmeldungen und macht rund 1/3 ihres Umsatzes mit Produkten, die weniger als 3 Jahre alt sind. Die Branche ist also hoch innovativ und dynamisch [1]. Der folgende Branchenbericht gibt detaillierte Einsichten in Tätigkeitsgebiete und Innovationen der MedTech Branche, über die wichtigsten Standorte, Finanzkennzahlen sowie Einblicke in die Genderquote und Bestrebungen in dem Bereich der Nachhaltigkeit.

Bestandteile unserer Medizintechnik Marktanalyse

1) Tätigkeitsgebiet der deutschen Medizintechnik-Industrie: Was wird hergestellt?

Insgesamt gibt es drei Bereiche in der die Medizintechnik Produkte entwickelt und einsetzt: Medizinische Geräte und Implantate, Bildgebende Diagnostik und In-vitro-Diagnostik [2].

Medizinische Geräte und Implantate – künstliche Organe, Prothesen, Infusionspumpen etc.:

Medizinische Geräte, Systeme und Softwarelösungen sind die größte und breit gefächerteste Sparte innerhalb der Medizintechnik. Einer der größten Player in der MedTech Branche und vor allem in der Sparte der medizinischen Geräte, ist die Fresenius SE & Co. KGaA, deren Tochterunternehmen Fresenius Medical Care weltweit führend bei der Behandlung von chronischem Nierenversagen ist. So kommt jedes zweite Dialysegerät von Fresenius Medical Care. Dialysesysteme von Fresenius sind weltweit sehr gefragt und so wächst der Umsatz je nach Region zwischen 5% und 9% jährlich. Ein weiteres Unternehmen das sich auf medizinische Geräte spezialisiert, ist die Drägerwerk AG & Co. KGaA. Neben Anästhesie- und Beatmungsgeräten stellt das Unternehmen verschiedenste Monitoringsysteme, Leuchten- und Videosysteme sowie andere medizinische System- und Softwarelösungen her. Auch die Paul Hartmann AG, Top 5 der größten deutschen Medizintechnik Unternehmen, hat ein umfangreiches Produktportfolio, angefangen bei Produkten der Wundversorgung über Pflegesets und OP-Bedarf bis hin zu Diagnostikprodukten und -systemen, wie Blutdruckmessgeräte oder Fieberthermometer.

medizintechnik gebiete

Bildquelle: Sartorius

Bildgebende Diagnostik: Ultraschall, Röntgen, Magnetresonanztherapie (MRT) etc.

Die Bildgebende Diagnostik, auch in-vivo-Diagnostik genannt, umfasst verschiedenste Verfahren der visuellen Untersuchung von Strukturen und Organen eines Patienten. Ein führendes Unternehmen in der Produktion von Systemen und Softwarelösungen für die medizinische Bildgebung ist die Siemens Healthineers AG. Rund 61% des Umsatzes des seit 2015 eigenständigen Konzerns entsteht durch Produkte für die bildgebende Diagnostik. Das Produktportfolio von Siemens Healthineers ist breit gefächert; von Mammographien über Computertomographen bis hin zu hochmodernen “Molecular Imaging” Systemen vertreten sie alles.

In-vitro Diagnostik

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Bildquelle: Siemens Healthineers

In-vitro Diagnostik (lat. für “im Reagenzglas”) beschreibt die Analysierung von Proben aus dem menschlichen Körper. Das Untersuchungsziel hierbei ist die (Früh-)Erkennung von Krankheiten als auch eine Therapiefindung. Das Segment befindet sich im Wandel; viele Krankenhausinterne Laborleistungen werden outgesourced und der Trend geht immer weiter in internationale Laborleistungen, die effizienter und vor allem kostengünstiger sind [3]. Für die Siemens Healthineers AG ist die Herstellung von In-vitro Diagnostik Systemen und daran anknüpfende Services mit rund 5% das zweitgrößte Standbein. Hergestellt werden umfassende Testsysteme (Drogen- und Medikamententests, Molekulare Testsysteme, Ammunoassaysysteme etc.) sowie Gerätschaften zur Laborautomation als auch IT-Lösungen und Digitalisierungsysteme. Einen detailliertes Verzeichnis von deutschen MedTech Unternehmen und ihren Segmenten bietet unsere Liste der 100 größten Medizintechnik Unternehmen in Deutschland.

Innovationen, Trends und Wachstumstreiber in der Branche

Deutschland Medizintechnik Unternehmen Minimal Invasive Herzchirurgie

Bildquelle: Siemens Healthineers

Komplexe Medizintechnologien sind für viele medikamentös austherapierte Patient*innen die letzte Lösung. Die Fortschritte innerhalb der MedTech Branche der letzten Jahre waren gewaltig – dennoch stehen wir erst am Beginn einer medizintechnischen Revolution. Im Wesentlichen gibt es drei Bereiche, die für die Medizintechnik immense Fortschritte und innovative Lösungen bereithält: Miniaturisierung, Molekularisierung und Digitalisierung. Die Miniaturisierung findet bereits in der minimal-invasiven Chirugie als auch in verschiedensten implantierbaren Mikrosystemen statt. Ob Kameras, Sonden oder Sensoren; besonders die sich stark verringernde Größe von Elektrotechnik spielt hier eine große Rolle. Das kleinste bisher hergestellte Hörgerät, der sogenannte Nanoplug, ist hier nur eines von vielen Beispielen, bei denen Qualität und Größe durch hochkomplexe Systeme zusammenkommen. Die Molekularisierung ist besonders für regenerative Medizin ein hochinteressantes Feld und polarisiert durch die Entwicklung von neuartigen Biomaterialien sowie Zell- und Gewebetechniken. Wie bei beinahe alle Branchen ist die Digitalisierung für die MedTech Branche von großem Belang – neben verbesserten Bildverarbeitung, Modellierung oder Simulationen ist vor allem die Implementierung von Künstlicher Intelligenz (KI) ein sehr großer Schritt in die Revolution der Gesundheitsversorgung [1]. Die Siemens Healthineers AG beschreibt die durch stark verbesserte Rechenleistung entstandene Anwendungsmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz als “Mathematische Revolution in der Radiologie“. Ob das Auszählung von Zellkernen, die Bestimmung von Knochenalter oder die Früherkennung von Hirnerfakten, diese Aufgaben werden schon heute von Künstlicher Intelligenz übernommen und lassen so den Medizinern mehr Zeit für komplexere Fragestellungen. Die Erwartungshaltung ist hoch – 70% von Führungskräften in klinischen Laboren erwartet einen Einzug von KI-Systemen innerhalb vier Jahren in die in-vitro Diagnostik; 90% gehen davon aus, dass KI langfristige Auswirkungen auf das Gesundheitssystem hat und bereits 50% beschäftigt sich aktiv KI in der Labormedizin [4].

Ein vielversprechendes Start-up im Bereich des eHealth ist das Startup InLine-Med, das durch die Kombination von KI, innovativen Führungsinstrumenten und hochwertigen Biopsienadeln eine Lösung für die Krebsdiagnose und -behandlung entwickelt hat. Durch Algorithmen wird eine exakte Nadelplatzierung erreicht und ein effizienteres Verfahren gewährleistet. Ebenfalls ein potentialträchtiges Startup im MedTech Bereich ist EBS Technologies. Das Startup hat ein Simulationssystem entwickelt, das für die Behandlung von neurologisch bedingten Beeinträchtigungen des Gesichtsfeldes, ausgelöst beispielsweise durch einen Schlaganfall oder einer traumatischen Gehirnverletzung. Durch eine nicht-invasive Stimulation des Sehnerves kann es zur Neuroregeneration kommen. Studien zeigen, dass mit diesem Verfahren das Gesichtsfeld von Patient*innen teilweise wiederhergestellt werden kann. Das BioTech Startup GNA Biosolutions produziert molekulare Testsysteme, die schneller und kleiner als vergleichbare Modelle sind. Ende 2019 haben sie in einer Finanzierungsrunde ganze $13,5 Mio eingesammelt.

Wachstumstreiber der Medizintechnikbranche

2) Karte der Medizintechnik Unternehmen: Wo wird hergestellt?

karte medizintechnik unternehmen deutschlandMedizintechnik Cluster in Deutschland: MedTech Valley in Hessen und in Baden-Württemberg

Mit über 800 Unternehmen und über 50.000 Beschäftigten in der MedTech Branche ist Baden-Württemberg der größte Standort für Medizintechnik-Unternehmen. Neben stetigen Neugründungen sprechen vor allem die Umsatzzahlen für einen erfolgreichen Industrie Standort: Insgesamt erwirtschaftete Baden-Württemberg 2016 rund 13,5 Milliarden Euro mit einer jährlichen Wachstumserwartung von 4%. Dabei werden 70% des Umsatzes von 34 Unternehmen erwirtschaftet. Etwa die Hälfte der Unternehmen beschäftigt unter 10 Mitarbeiter, die rund 2% des Gesamtumsatzes produzieren. Auch die Diversität der Segmente ist beeindruckend: Neben dem Fokus auf Chirurgische Instrumente und Therapeutische Systeme und Geräte werden Felder wie Implantate, Dentalprodukte, Point-of-Care Diagnostik, in-vitro-Diagnostik und viele andere bedient [5]. Europas größter Medizintechnik Cluster liegt in Tuttlingen, auch “Stadt der heilenden Messer” genannt. Neben ca. 400 MedTech Unternehmen finden sich in Tuttlingen auch viele Zulieferer und Dienstleister die sich auf Medizintechnik spezialisiert haben [6].

Neben Global Playern der MedTech Branche wie Fresenius, B. Braun, Merck und Heraeus Holding GmbH liegen viele kleine und mittelständische Unternehmen in Hessen – in Summe stellt die Branche ganze 20.000 Arbeitsplätze. Mit einer Exportquote von 68% liegt der Exportanteil von Hessen in internationale Märkte im Branchenvergleich (60%) hoch. Darüber hinaus liegen auch die Investitionen in Forschung und Entwicklung mit 13,5% über dem Branchendurchchnitt (8%-9%). Auch die Standortfaktoren Hessens sprechen für den Industriestandort – neben hochqualifiziertem Personal werden die Infrastruktur, Förderungsangebote als auch Kunden- und Lieferantennähe positiv bewertet. Diese positive Bewertung führt zu einer Standortzufriedenheit der Medizintechnik-Unternehmen in Hessen von eindrucksvollen 90% [5].

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3) Finanzkennzahlen der Medtech-Branche: Wie hoch ist das Marktvolumen?

Marktvolumen

  • Marktvolumen (in Mrd. €)

Unternehmen mit unter 1 Mrd. € Umsatz (2018)

Umsatzentwicklung der Top 5

  • Fresenius SE & Co. KGaA
  • B. Braun Melsungen AG
  • Drägerwerk AG & Co. KGaA
  • KARL STORZ SE & Co. KG
  • Siemens Healthineers AG

Die Zahlen basieren auf unserer Datenbank und sind der Liste der Top 100 Medizintechnik Unternehmen Deutschlands zu entnehmen.

Marktvolumen und Gesamtumsätze in der deutschen Medizintechnik Industrie: 2015-2018

Die deutsche MedTech Branche ist eine Wachstumsmarkt. Das liegt vor allem an dem stetigen medizinisch-technischen Fortschritt und der demographischen Entwicklung, die zu steigendem Bedarf an innovativer und schonender Medizintechnik führt. Auch wird privat und im beruflichem Kontext immer mehr Wert auf Gesundheit gelegt. Der erweitete Gesundheitsbegriff führt zu einem stärkerem Bewusstsein für mehr Lebensqualität und damit zu einer Erwartungshaltung an qualitativ hochwertige und moderne Medizintechnik. Dieser steigender Bedarf zeigt sich in der Umsatzentwicklung der letzten Jahre: der Trend steigt klar an. Und der Aufwärtsschwung wird so bleiben – ein jährliches Wachstum von ganzen 6% wird bis 2024 in der globalen MedTech Branche vorausgesagt [1].

Die Graphiken basieren auf unserer Liste der Top 100 Medizintechnik Unternehmen in Deutschland. Da in unserer Datenbank die Gesamtumsätze der Unternehmen enthalten sind, kann es hier zu Abweichungen von Zahlen über die Umsätze nur im MedTech Bereich kommen.

Wettbewerbsanalyse: Wie ist die Marktstruktur in der Medtech Branche?

Die MedTech Branche in Deutschland ist mittelständisch geprägt; beachtliche 93% der Branche beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter. Darunter sind 13.000 Kleinstunternehmen. Nur 90 Unternehmen in der Medizintechnik Branche haben mehr als 250 Beschäftige. Auch in den Umsatzzahlen spiegelt sich das wieder: Die Big Player erwirtschaften einen erheblichen Teil des Marktvolumens. 2015-2018 erwirtschaften die größten 5 deutschen MedTech Unternehmen über 70% des Gesamtumsatzes der Branche. 92% der Unternehmen haben einen jährlichen Umsatz unter 1 Milliarde €.

Entwicklung der deutschen Marktführer in der Medizintechnik Industrie

Die größten MedTech Hersteller in Deutschland sind sehr divers aufgestellt – so ist der bereits 1912 gegründete Marktführer Fresenius SE & Co. KGaA der größte private Krankenhausbetreiber Deutschlands und mit dem Tochterunternehmen Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA weltweit führend in der Herstellung und dem Vertrieb von Dialysegeräten. In den Forbes Global 2000 belegt die Fresenius SE & Co. KGaA den 240. Platz (Stand Juni 2020) und ist damit eines der größten und umsatzstärksten Unternehmen der Welt.

Der seit 2015 eigenständige Konzern Siemens Healthineers AG ist unter den Top 10 der größten MedTech Unternehmen in der ganzen Welt. Das größte Standbein des Konzerns sind Bildgebende Verfahren; daneben entwickelt das Medizintechnik Unternehmen unter anderem Geräte für Labordiagnostische Verfahren sowie hochmoderne Systeme für minimalinvasive Verfahren.

Die in Hessen ansässige B. Braun Melsungen AG unterteilt ihr Geschäft in vier verschiedene Sparten: Hospital Care ist weltweit führend bei Produkten der klinischen Versorgung und der Behandlung von stationären Patient*innen. Aesculap ist marktführend für handgehaltene chirurgische Instrumente, Out Patient Market fokussiert sich auf die Behandlung von Patient*innen außerhalb des Krankenhauses, beispielsweise von chronisch Kranken. Die letzte Sparte, B. Braun Avitum ist einer von drei weltweit tätigen Komplettanbietern bei extrakorporaler Blutbehandlung (Dialyse). Weltweit zeigen alle Sparten eine starke Umsatzentwicklung.

Die Drägerwerk AG & Co. KGaA ist mit seinen 100 Tochtergesellschaften in zwei Sparten aufgeteilt: Medizin- und Sicherheitstechnik. Die Sparte der Medizintechnik macht rund 2/3 des Gesamtumsatzes aus. Drägerwerk bietet hauptsächlich Anästhesiearbeitsplätze, Beatmungsgeräte, Patientenmonitoring sowie verschiedene Systeme für die Perinatalmedizin an. Im Vergleich zu den anderen Marktführern ist die Umsatzentwicklung des MedTech Unternehmens relativ gering, dafür aber sehr stabil und solide.

Das Familienunternehmen Karl Storz SE & Co. KG wurde 1945 gegründet und ist in 44 Ländern mit 47 Standorten vertreten. Das in Tuttlingen sitzende Unternehmen ist in drei Bereiche aufgeteilt: Humanmedizin, Industrie und Veterinärmedizin. Die Produktpalette des Unternehmens ist breit gefächert und reicht von Neurochirurgie über plastische Chirurgie bis hin zur Mikroskopie. Karl Storz hat von den Marktführern zwar den geringsten Umsatz, ist aber weltmarktführend mit Humanmedizinischen-Instrumenten sowohl bei minimalinvasive Chirurgie als auch bei starren Endoskopen.

4) Vorstands-Geschlechterverteilung und Nachhaltigkeit

Frauenanteil in Vorständen

  • Frauenanteil (~10%]
  • Männeranteil (~90%)

Geschlechterverteilung in der Medizintechnik Industrie

Der Anteil von Frauen in Vorständen liegt bei der MedTech Branche in Deutschland bei 10%. Der Bundesdurchschnitt von weiblichen Führungskräften liegt laut dem statistischen Bundesamt bei 30%, allerdings sind hier Aufsichtsräte mit einbegriffen. Schaut man sich die Top 5 der großen Medizintechnikunternehmen in Deutschland (Fresenius SE & Co. KGaA, B. Braun Melsungen AG, Drägerwerk AG & Co. KGaA, KARL STORZ SE & Co. KG und Siemens Healthineers AG) an, sieht man dass von 23 Geschäftsführenden 4 weiblich sind – das sind 7%. Die Drägerwerk AG geht mit gutem Beispiel voran – der Vorstand besteht zu 50% aus Geschäftsführerinnen.

Die Daten für die Graphik und den Text stammen aus unserer Datenbank und beziehen sich ausschließlich auf die (leitenden) Geschäftsführer*innen.

Nachhaltigkeit in der deutschen Medizintechnik:

Laut der NGO Health Care without Harm ist der Gesundheitssektor, inklusive Medizintechnik Unternehmen, für 4,4% der weltweiten Schadstoffemissionen verantwortlich. Nachhaltigkeit ist also auch für deutsche MedTech Unternehmen längst ein wichtiges Thema, in denen es unterschiedliche Ansatzpunkte gibt um nachhaltiger, umweltbewusster und ressourcenschonender zu werden. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Nachhaltigkeitsbereiche in der Medizintechnik vor und stellen konkrete Beispiele und Umsetzungen dar.

Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein in der MedizintechnikEnergie ist eines der wichtigsten Ansatzpunkte für ein nachhaltigeres Handeln. Der Produktionsstandort von der Drägerwerk AG in Lübeck geht hier mit gutem Beispiel voran – laut dem Nachhaltigkeitsbericht von 2019 nutzt der Standort neben einem eigenen Gas-Blockheizwerk Wärme der örtlichen Abfalldeponie. Auch gibt es eine Wärmerückgewinnungsanlage, die 75% weniger Abluftverluste bewirkt. Umsatzwachstum bedeutet auch einen steigenden Bedarf an Energie – der B. Braun Melsungen Konzern setzt aut ihrem Nachhaltigkeitsbericht (2018) auf erneuerbare Energien. Von 2015-2017 stiegen nicht-erneuerbare Energien um 6%, erneuerbare hingegen um ganze 23%. Der größten Anteil an erneuerbaren Energien hat der deutschen Standort mit 33%.

Das Wassermanagement beginnt bei der Beschaffung über die Verwendung bis hin zu der Entsorgung des Abwassers.Nachhaltigkeit in der Medizintechnik Branche Der Fresenius Konzern gibt in ihrem Geschäftsbericht von 2019 an, dass 91% des Wassers von der jeweiligen öffentlichen  Versorgung bereitgestellt wurde, nur 7% entfallen auf Grundwasser. Besonders in Ländern mit Wasserknappheit, in denen viele Produktionsstandorte von MedTech Unternehmen sind, muss sorgfältig mit der wertvollen Ressource umgegangen werden. Der B. Braun Konzern kooperiert laut ihrem Nachhaltigkeitsbericht mit dem Water Risk Filter des WWF um Länder zu identifizieren, in denen Wasserknappheit herrscht. In diesen Ländern führen dann die jeweiligen Produktionsstandorte rund 60% des entnommenen Wasser zurück, der Rest wird entweder an Produkte gebunden oder verdampft.

Nachhaltigkeit und Recycling in der deutschen Medizintechnik BrancheAbfallmanagement und Recycling gehen Hand in Hand. Um Produkte langlebiger zu machen bietet etwa das Unternehmen Drägerwerk Wartungen und Reparaturen an. Auch Materialien werden durch das Engagement des Unternehmens wiederverwendet oder ordnungsgemäß entsorgt – so hat beispielsweise das Recycling von Produkten die Atemkalk enthalten zu einer Einsparung von fast 30 Tonnen CO2 im Jahr 2019 geführt. Auch B. Braun Melsungen bietet innovative Lösungen an: Durch das Regranulieren und Polyethylenresten, die bei der Produktion als Abfallstoff überbleiben, werden Rohstoffabfälle und Kosten minimiert. Täglich 17 Tonnen werden so recycelt und wiederverwendet.

5) Statistiken und Fakten in der Medizintechnik-Branche

  • Es gibt drei Kategorien, in die sich Medizintechnik einteilen lässt:
    • Medizinische Geräte und Implantate (bspw. Dialysegeräte von Fresenius oder Monitoringsysteme von Drägerwerk)
    • Bildgebende Diagnostik (bspw. Mammographien von Siemens Healthineers)
    • In-Vitro Diagnostik (bspw. Drogen- und Medikamententests von Siemens Healthineers)
  • Die Wachstumstreiber in der MedTech Branche lassen sich ebenfalls in drei Bereiche einteilen
    • Miniaturisierung, vor allem ermöglicht und umgesetzt durch verkleinerte Elektrotechnik
    • Molekularisierung, die sehr wichtig für die regenerative Medizin ist
    • Digitalisierung, die besonders durch KI-Systeme in der Radiologie und Diagnostik an Bedeutung gewinnt
  • In den Traditionsstandorten Hessen und Baden-Württemberg liegen aufgrund hoher Diversität sowohl in der Marktstruktur als auch in den Produktportfolios große MedTech Cluster
  • Die Medizintechnik ist ein Wachstumsmarkt – ein jährliches Wachstum von 6% wird vorausgesagt
  • Die Marktstruktur ist mittelständisch geprägt und hat wenige große Player (nur 8% haben >1 Mrd. € jährlichen Umsatz)
  • Die Geschäftsführung ist mit 90% vorwiegend männlich
  • Energie-, Wasser- und Abfallmanagement sind Kernpunkte der Nachhaltigkeit für deutsche Medizintechnik Unternehmen

Quellen (zuletzt abgerufen am 07.06.2020)

[1] https://www.bvmed.de/download/bvmed-branchenbericht-medtech.pdf

[2] https://www.technologieland-hessen.de/medizintechnik

[3] https://www.technologieland-hessen.de/mm/Broschuere_VitroDiagnostik.pdf

[4] https://www.siemens-healthineers.com/de/news/medizin-von-morgen.html

[5] https://www.technologieland-hessen.de/mm/1.02_ha_medizintechnik_12_screen_final.pdf

[6] http://www.medizintechnik-tuttlingen.com/

Iconquellen (zuletzt abgerufen am 07.06.2020):

(a) https://www.flaticon.com/de/autoren/freepik

(b) https://www.flaticon.com/de/autoren/good-ware

(c) https://www.flaticon.com/de/autoren/bqlqn

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