Logistik Industrie in Deutschland: Unser Branchenreport

Logistik Branchenreport

Listenchampion Branchen Reports (Teil 4)
Die Logistik Industrie in Deutschland: Umsätze, Statistiken, Hintergründe

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Deutschland ist Logistikweltmeister – das liegt unter anderem an der zentralen graphischen Lage in Europa aber auch an den hochqualifizierten Logistikdienstleistungen. Die Logistikbranche ist in Deutschland der größte Wirtschaftsbereich und ist mit einer Beschäftigungszahl von ca. 3 Millionen ein überproportional wachsender Sektor. Mit rund 25% der Umsatzanteile in ganz Europa – 2019 hat Deutschland ~279 Mrd. € erwirtschaftet hat der deutsche Logistikmarkt ein starkes Gewicht. Auch international nimmt Deutschland eine Spitzenposition in Infrastrukturqualität und Logistiktechnologie ein. Doch nicht nur wegen der hohen Beschäftigungszahl und den Umsatzbeteiligungen ist die Logistikbranche für Deutschland ausgesprochen relevant – durch hocheffiziente Logistikstrukturen ermöglicht die Branche internationale Wettbewerbsfähigkeit und Außenhandel von deutschen Gütern. Der folgende Branchenbericht gibt detaillierte Einsichten in Tätigkeitsgebiete und Innovationen der Logistik Branche, über die wichtigsten Standorte, Finanzkennzahlen sowie Einblicke in die Genderquote und Bestrebungen in dem Bereich der Nachhaltigkeit [1 & 2].

Bestandteile unserer Logistik Marktanalyse

1) Tätigkeitsgebiete der deutschen Logistik-Industrie: Was wird hergestellt?

Die Logistikbranche setzt sich zusammen aus sechs großen Marktbereichen, unter die verschiedene Marktsegmente fallen. Die sechs Marktbereiche, hier nach ihren Umsatzzahlen in 2016 geordnet, sind Kontraktlogistik, Landverkehre, Standortgebundene Logistik, International Forwarding, KEP (Kurier-Express-Paket) und Bulk – Bulk Logistik bezieht sich auf Massengutlogistik inklusive der Binnenschiffahrt [3]. Im folgenden sollen die fünf größten Marktbereiche vorgestellt werden, um einen Einblick in die breit gefächerte Branche zu erhalten.

Kontraktlogistik

Logistik Branchenreport: KontraktlogistikDie Kontraktlogistik ist mit Abstand der größte Marktbereich in der deutschen Logistikbranche. Unter Kontraktlogistik versteht man Geschäfte, die individuelle auf Kundenbedürfnisse zurechtgeschnitten werden – diese Dienstleistungen gehen meist über logistische Basisleistungen hinaus. Durch diese hohe Komplexität arbeiten Dienstleister und Kunde oftmals eng und langfristig zusammen, was für den Dienstleiter aufgrund der hohen Bindungsfestigkeit ein großer Vorteil ist. Einer der größten deutschen Logistikunternehmen, Hellmann Worldwide Logistics SE & Co. KG, ist gleichzeitig einer der führenden Kontraktlogistiker der Welt. Die GmbH & Co. KG bietet maßgeschneiderte Logistikstrategien entlang der gesamten Supply Chain an. Die Kontraktlogistik greift natürlicherweise auf verschiedenste Bereiche der Logistikbranche zurück und so bietet auch Hellmann eine breit gefächerte Palette an möglichen Services an: angefangen beim Wareneingang und Warenausgang, über Kommissionierung (Zusammenstellung von Waren und Gütern nach gegeben Aufträgen), Value Added Services bis hin zu Bestandsführungslösungen.

Bildquelle: Hellmann Worldwide Logistics SE & Co. K

Landverkehre

Logistik Branchenreport: LandverkehrDer zweitgrößte Bereich der (deutschen) Logistikindustrie ist der Landverkehr. Landverkehr bezeichnet, wie der Name unschwer erkennen lässt, den Transport von Waren an Land über Straßen- oder Schienenverkehr. Einer der größten deutschen Player in der Logistikbranche ist zweifelsohne die Schenker Deutschland AG – die Transportlogistik speziell im Bereich des Landverkehrs ist das Steckenpferd der AG. Unter die angebotenen Lösungen fallen neben klassischer Paketversendung auch System Freight oder Direct Freight. Beim System Freight werden nationale und internationale Versendungen von Stückgütern angeboten, beim Direct Freight full-load oder part-load Transporte. Zusätzlich dazu bietet die Schenker Deutschland AG multimodaler Lösungen, sprich die Verknüpfung von verschiedensten Verkehrsträgern. Zu dem Landverkehrbereich gehören auch spezielle Ladungsverkehre – vor allem für Flüssig- und Schüttgüter sowie Krandienste für schwere Güter [3].

Bildquelle: Unsplash 

Standortgebundene Logistik

Logistik Branchenreport: Standortgebundene LogistikZu der standortgebundenen Logistik gehören jegliche sogenannte Terminal Operations: darunter fallen Terminaldienste, Lagerei-, Umschlags- und sonstige auf Terminals bezogene logistische Mehrwertleistungen. Ein Terminal wird als Bereich oder ein Ort definiert, der als Weg für die Abfertigung des Transportprozesses (Be- und/oder Entladen von Fracht) dient. Eine Untergruppe der Standortgebundenen Logistik ist die standortgebundene (Intra-) Logistik. Diese dreht sich hauptsächlich um Geräte/Produkte die innerhalb eines Lagersystems genutzt werden. Darunter fallen zum Beispiel Förderbandsysteme oder Flurförderfahrzeuge (Gabelstabler) sowie moderne fahrerlose Transportsysteme. Die Rhenus Logistics SE & Co. KG, einer der Top 5 der deutschen Logistikunternehmen, bietet in ihren Terminals verschiedenste Umschlagsservices wie das Scannen der Ware, Fotodokumentation, EDI-Schnittstellen, die einen elektronischen und vollautomatischen Datenaustausch ermöglichen, und LKW Verwiegung an.

Bildquelle: Unsplash 

International Forwarding

Branchenreport Logistik: International ForwardingDer Bereich des International Forwarding bezieht sich hauptsächlich auf Seefracht und Luftfracht. Der Bereich der Luftfracht wird in Deutschland zu großen Teilen von der Lufthansa Cargo AG, unter den Top 3 der deutschen Logistikunternehmen, bestritten. Die AG bietet verschiedenste Lösungen an, die sich an den Warenanforderungen orientieren – von Standardfrachten, Temperaturstabilen Transporten, gefährlichen und gefährdeten Gütern, ablaufbaren Gütern, lebenden Tieren oder Notfalltransporten ist alles dabei. Eine ähnliche Bandbreite gibt es auch in der Luftfahrt – unter der Sparte DHL Global Forwarding bietet die DHL International GmbH Transporte von Flüssigkeiten & Flexitanks, den Transport von übergroßen Gütern, Temperaturkontrollierte Sendungen, kundenspezifische Frachtkonsolidierungen sowie Full-Container-Load und Less-than-Container Load an.

Bildquelle: Lufthansa Cargo AG

KEP – Kurier-Express-Paket

Logistik Branchenreport: KEPKEP steht für Kurier-Express-Paket Dienst – die Unternehmen, die in dieser Sparte tätig sind, sind also Post- und Logistikunternehmen. Oftmals sind KEP-Dienste im Kundenbereich tätig und transportieren hauptsächlich unpalettierte Sendungen. Die Hermes Europe GmbH ist einer der größten Anbieter von Kurier-Express-Paket Diensten. Neben Transportlogistik und der Sparte des Global E-Commerce bietet die GmbH Paketversendungen an – vom klassischen Paketlieferungen über sperrigere Versendungen wie Möbeln im 2-Mann-Handling als auch Versendungen in Europa.

Bildquelle: Hermes Europe GmbH

 

Ein detailliertes Verzeichnis von deutschen Logistik Unternehmen und ihren Segmenten bietet unsere Liste der 200 größten Logistikunternehmen in Deutschland. Unser gesamtes Verzeichnis an Unternehmen im produzierenden Gewebe in Deutschland finden Sie ebenfalls in unserem Shop.

Innovationen, Trends und Wachstumstreiber in der BrancheWachstumstreiber der deutschen Logistikbranche: Multishuttle Move

Als Schlüsselindustrie ist die Logistik Branche von beinahe allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen betroffen. Das ist zum einen die immer weiter fortschreitende Globalisierung, die Digitalisierung und Technologisierung aber auch Entwicklungen wie der Umgang mit knapperen Ressourcen oder erhöhten Kundenanforderungen [6]. Im folgenden werden Entwicklungen und Innovationen in 3 (in einander) übergreifenden Bereichen vorgestellt: Globales Supply Chain Management, Urbane Logistik und Intralogistik.

Bildquelle: Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik

Im Globalen Supply Chain Management eröffnet die Digitalisierung, vor allem durch Big Data Anwendungen und Cloud-Plattformen ganz neue Chancen. Die neuen Datenmengen stellt die Logistik Branche weltweit zwar vor technische Herausforderungen, allerdings verspricht die intensive Nutzung dieser eine gesteigerte Effizienz: zum Beispiel können durch lückenlose Überwachung Kühlketten durch Temperatursonden überprüft werden, Sendungsprozesse können permanent, während Umschlag und Zwischenlagerungen kontrolliert werden – diese Möglichkeit zur lückenlose Überprüfung bietet starkes Optimierungspotential, sowohl in Abläufen, aber auch in Ressourcennutzung oder Prozessqualitäten. Folgenschwere Störungen können identifiziert und behoben werden, Über- oder Unterbelastungen können erkannt und durch Umverteilung bewältigt werden. Sowohl im Bereich des Global Supply Chain Management aber auch im Bereich der Urbanen Logistik spielt der in dem Report über die deutsche Maschinenbaubranche benannte Begriff der “Industrie 4.0” eine große Rolle.

In der Urbanen Logistik gibt es beispielsweise den Einsatz von E-Mobility, neue Zustell-Technologien wie Drohnen oder autonome Fahrzeuge. Ein gutes Beispiel dafür ist das die Sennder GmbH, ein Logistik Unternehmen mit Sitz in Berlin. Der “digitale Spediteur” ermöglicht unter anderem durch eine Vernetzung ihrer Fahrzeug optimale Kapazitätsauslastung und vollständige Transparenz über Lieferketten und stellt Fahrer*innen mobile Anwendungen zu Verfügung. Eine weitere Möglichkeit im Bereich der Digitalisierung wären Tourenoptimierungen durch künstliche Intelligenz.

Auch im Bereich der Intralogistik kommt die Industrie/Logistik 4.0 zum tragen: autonome Flurförderfahrzeuge, sich selbst steuernde Behälter, vereinfachte Inventur durch Drohneneinsatz oder das Einsetzen von Virtual oder Augmented Reality hält großes Potential um die Logistikbranche nachhaltig zu verändern.

Der Begriff Logistik 4.0 wird unter anderem auch von dem Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik aufgegriffen, die eine Beratung in diesem Bereich anbieten. Auch intern wird an Lösungen und Technologien gearbeitet – so hat das Fraunhofer Institut beispielsweise den “Multishuttle Move®” konzeptualisiert und umgesetzt. Der Multishuttle Move kann sowohl klassische Ein- und Auslagerungsaufträge als auch für den innerbetrieblichen Transport genutzt werden. Die Fahrzeuge können sich frei im Lager bewegen und so können alle Transporte mit einem autonomen Fahrzeugschwarm abgedeckt werden. Das System ist effizient: In einem Kommissionierungstestlauf haben 50 Multishuttle Mover bis zu 2.000 Behälter pro Stunde bewältigt. Spannend ist auch der RackRacer – das System “klettert” und bewegt sich autonom auf und ab, auch diagonal. Der RackRacer ermöglicht so einen direkten Weg zu jedem Lagerort – das ist revolutionär, da mit der Technologie kein Lift oder zusätzliche Schienen erforderlich sind. Ein weiteres interessantes System der Intralogistik ist der InventAIRy – autonome Flugroboter, die mit Sensoren ausgestattet sind, Barcodes und RFID-Chips auslesen können und damit die Inventur neu gestalten können.

Logistik Branchenreport: Wachstumstreiber

2) Karte der Logistik Unternehmen: Wo wird hergestellt?

Branchenreport Logistik - Sitz der Unternehmen in DeutschlandLogistik Hubs in Deutschland: Nordrhein-Westfalen und Bayern

Schaut man sich die Karte der deutschen Logistik Unternehmen an, lassen sich eindeutige Verteilungen erkennen: knapp 17% (41 Unternehmen) der 200 größten Logistikunternehmen in Deutschland liegen je in Nordrhein-Westfalen und Bayern. Gemeinsam mit Baden-Württemberg vereinen die Industrie Standorte knapp 50% der größten deutschen Logistik Unternehmen.

Nordrhein-Westfalen ist der führende deutsche Standort – knapp 16% der deutschen Exportgüter stammen aus NRW, über 22% der deutschen Importe gehen nach Nordrhein-Westfalen. 2015 erwirtschafteten die ~24.1000 Logistik Unternehmen in dem Bundesland knapp 67 Mrd. Euro. Auch als Arbeitsmarktfaktor ist die Logistikbranche unverzichtbar: etwa 364.000 Beschäftigte sind in der Kernbranche Beschäftigt, in der erweiterten Logistikbranche kommen nochmal ~738.000 hinzu. Die Infrastruktur ist eine der bestvernetzen: Durch zwei große Flughäfen, Düsseldorf Airport und Köln Bonn Airport, hat das Bundesland internationale Anbindung mit den Wirtschaftszentren der Welt. Das das Bundesland keinen Zugang zu Küsten hat, fällt kaum auf, denn Nordrhein-Westfalen liegt an wichtigen europäischen Wasserstraßen, wie etwa dem Rhein. Auch die Straßen- und Schienenanbindung ist gut vernetzt und dicht [7].

Bayern als zweiter Logistik Hub in Deutschland erwirtschaftete etwa 18% des gesamtdeutschen Umsatzes, das entspricht 36 Milliarden Euro. Wie sich schon in den Branchenreports der Maschinenbaubranche, der Medizintechnik und der Chemiebranche feststellen ließ, arbeiten in Bayern viele Menschen im verarbeitenden Gewerbe – etwa 24% der arbeitenden Bevölkerung. In den Logistiksektor arbeiten über 400.000 Beschäftigte. Auch der Freistaat hat eine herausragende Infrastruktur: Mit 24 Häfen, einem 137.000 km langen Schienennetz und 3 internationalen Verkehrsflughäfen ist Bayern ein großer und wichtiger Umschlagsplatz. Auch in Zukunft lässt das Bundesland einiges von sich erwarten – Bayerns Startup Kultur ist kennzeichnend und auch in der Logistik Branche sehr aktiv [8].

Wenig überraschend ist die Einordnung der Hansestadt Hamburg als wichtigste Logistik Stadt in Deutschland – 2019 arbeiteten über 315.000 Menschen (direkt) in der Logistik. Gleichzeitig wird Hamburg als hochdynamisch eingeschätzt und liegt vor dem Ruhrgebiet oder Stuttgart. Nicht nur dynamisch – auch smart: Nach dem Smart City Index von 81 deutschen Großstädten erreich Hamburg in allen fünf Themenbereichen (Verwaltung, IT & Kommunikation, Energie & Umwelt, Mobilität und Gesellschaft) Spitzenwerte. Ähnlich wie in Bayern zeichnet sich Hamburgs Unternehmenskultur auch durch ihr “Start-up Ökosystem” aus – 40% von befragten Unternehmen schätzen das Ökosystem als gut oder sehr gut ein [9].

Zu diesem Branchenreport passende Listen

3) Finanzkennzahlen der Logistik-Branche: Wie hoch ist das Marktvolumen?

Marktvolumen
  • Marktvolumen (in Mrd. €)

Unternehmen mit unter 1 Mrd. € Umsatz (2018)

Umsatzentwicklung der Top 5
  • Deutsche Post AG
  • Schenker Deutschland AG
  • Rhenus Logistics SE & Co. KG
  • Dachser SE
  • Kühne + Nagel (AG & Co.) KG

Die Zahlen basieren auf unserer Datenbank und sind der Liste der Top 200 Logistik Unternehmen Deutschlands zu entnehmen. Die Einordnung der Top 5 Unternehmen basiert auf eben dieser Datenbank und der Aufstellung der Fraunhofer Arbeitsgruppe für Supply Chain Services in ihrer jährlich erscheinenden Studie der Top 100 Logistik Unternehmen.

Marktvolumen und Gesamtumsätze in der deutschen Logistik Industrie: 2015-2018

Wie schon in der Einleitung erwähnt, ist die Logistikbranche für Deutschland aufgrund seiner Beschäftigungswirkung und der Versorgungsfunktion ein sehr bedeutender Wirtschaftszweig. Auch in Europa ist Deutschland einer der wichtigsten Player – rund 25% des erwirtschafteten Umsatzes ist der deutschen Logistik Industrie zuzurechnen [1]. Auch die Entwicklung dieser Position sieht vielversprechend aus: 2016 landete der deutsche Logistikstandort bei der Weltbankstudie “Connecting to Compete 2016” auf Platz 1 – von 160 Staaten. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur beschreibt die Logistik Industrie in Deutschland als einen “sehr dynamisch und überproportional wachsenden Zukunftsmarkt” [2]. Das zeigt sich auch in der Umsatzentwicklung der Top 200 in Deutschland: Besonders von 2016-2017 zeigt sich ein extrem großer Wachstumssprung von ganzen 9%, auch ansonsten lässt sich auf Basis der vorliegenden Daten aus unserer Datenbank ein stetiger, hoher Wachstum erwarten.

Die Graphiken basieren auf unserer Liste der Top 200 Logistik Unternehmen Deutschlands. In unserer Datenbank sind die Gesamtumsätze der Unternehmen enthalten, deshalb kann es hier zu Abweichungen von Zahlen über die Umsätze nur im Logistik Bereich kommen.

Wettbewerbsanalyse: Wie ist die Marktstruktur in der Logistik Branche?

Die Logistik Branche hat mit 50% aller Top 200 Unternehmen, die unter 500 Mitarbeiter haben zwar immer noch einen großen Mittelstand, allerdings ist dieser bei weitem nicht so stark ausgeprägt wie beispielsweise in der Medizintechnik Branche oder in der Maschinenbau Branche, bei denen der Mittelstand (Unternehmen <250/<500 Beschäftigte) zwischen 70% und 90% liegt. Das spiegelt sich auch in der Umsatzverteilung wieder: Die Top 5 Unternehmen, gemessen an den Umsatzzahlen 2018 (Deutsche Post AG Schenker Deutschland AG Rhenus Logistics SE & Co. KG Dachser SE Kühne + Nagel (AG & Co.) KG) vereinen 52% der gesamten deutschen Umsätze. Die Top 10 vereinen sogar ganze 82% aller Umsätze.

Entwicklung der deutschen Marktführer in der Logistik Industrie

Die Deutsche Post AG ist Teil der Deutsche Post DHL Group – die Anfänge gehen bis 1490 zurück, 1969 wird DHL gegründet und 2002 schließlich von der deutschen Post übernommen. Heute ist die Deutsche Post DHL Group das weltweit führende Post Unternehmen. Der Konzern hat weltweit 12.600 Standorte mit über 545.000 Mitarbeiter*innen. Mit 5 Standbeinen ist der Konzern breit aufgestellt: Post & Paket Deutschland – hier bestreitet die Deutsche Post über 60% des Marktvolumens. Express, hier werden auch verschiedene Spezialtransporte angeboten, Global Forwarding & Freight (sprich Luftfracht, Seefracht und Landverkehr) – in der Luftfracht ist die Deutsche Post AG führender Anbieter, Supply Chain, auch hier ist DHL führender Anbieter und DHL eCommerce Solutions. Wie sich an der Graphik unschwer erkennen lässt, hat die Deutsche Post AG mit Abstand den höchsten Umsatz und gleichzeitig eine stabile Entwicklung.

Die Ursprünge der Schenker Deutschland AG liegt in Wien – Gottfried Schenker gründet dort 1872 die Firma Schenker & Co. 2002 übernimmt die Deutsche Bahn AG die Stinnes AG und wird damit von zwei führenden Logistikunternehmen zu einem. Heutzutage ist DB Schenker das führende Unternehmen für globale Logistikdienstleistungen. Standorte hat die AG über 2.100 weltweit, für die rund 77.000 Mitarbeiter*innen arbeiten. Aufgeteilt ist das Logistikunternehmen in zwei übergreifende Sparten: Land, Luft & See ist die erste, Kontraktlogistik die zweite. Zusätzlich dazu bietet das Unternehmen noch andere Logistikdienstleistungen an: Lead Logistik, Spezialtransporte, Messelogistik, Umzüge, Sport- und Eventlogistik, Kunstlogistik sind nur einige davon. Die Diversifizierung scheints sich auszuzahlen: Ähnlich wie die Deutsche Post AG hat das Unternehmen ein stabiles, stetiges Wachstum.

Die Rhenus Logistics SE & Co. KG wurde bereits 1912 gegründet und ist Top 3 der deutschen Logistik Unternehmen. 33.000 Beschäftigte arbeiten in 750 Standorten für die Gruppe. Das Unternehmen bietet verschiedenste Lösungen an, die sich von multimodalen Transporten, über die Lagerung & Verzollung bis hin zu innovativen Mehrwertdiensten erstreckt. Diese Services konzentrieren sich auf drei verschiedene Services: Custom Supply Chain, Warehousing und Transport. Im Bereich des Custom Supply Chain gibt es unter anderem neben Branchenlösungen auch Hafen, Offshore- und Automobil-Logistik im Portfolio. Den Bereich des Warehousing geht die Gruppe innovativ an und bietet Innovationen wie Autonome Schubmaststapler, robotergestützte Lager- und Kommissioniersysteme oder Optimierungen der Lagersysteme mithilfe von Big Data an. Die Transportsparte bietet alle Bereiche von Transporten: Luft-, Land- und Seefracht wird von der Firma angeboten. Auch Rhenus entwickelt sich mit der Logistikbranche und hat ein stetiges Wachstum.

Die Dachser SE mit Sitz in Kempten wurde bereits 1930 gegründet. Das Unternehmensportfolio ist breit gefächert, lässt sich aber in die folgenden Kategorien einteilen: zum einen werden Dienstleistungen in der Europa-Logistik angeboten, Luft- & Seefracht sind ebenfalls eigene Standbeine ebenso wie Rail-Services und Lebensmittel-Logistik. Dazu kommen Services und Lösungen innerhalb der Kontraktlogistik, der Informationslogistik, dem Qualitätsmanagement und schließlich Hilfestellung beim Zoll und Foreign Trade Compliance. Besonders spannend ist auch das Dachser DIY-Logistic Angebot – durch die Verfügbarkeit von verschiedenen Leistungen können sich Kunden eine branchenspezifische und individuelle Lösung zusammenstellen. Das Wachstum der Dacher SE steigt zwar in kleineren Schritten ist aber ebenfalls sehr stabil.

Die Kühne + Nagel (AG & Co.) KG wurde 1890 und hat sich von einem klassischen Spediteur bis zu einem globalen Logistikpartner mit über 130 Standorten in denen circa 15.000 Beschäftigte arbeiten weiterentwickelt. Das Unternehmen ist global führend in weltweiter Seefrachtspedition. Neben der Seefracht bietet die AG & Co. KG auch verschiedenste andere Transportlösungen, wie Luftfracht, Landverkehr oder Bahnverkehr an. Zusätzlich sind in dem Portfolio noch Supply-Chain-Services wie Kontraktlogistik oder Auftragsverwaltung und Branchenlösungen – unter anderem auch für die Raumfahrt. Auch Kühne + Nagel (AG & Co.) KG ist ein Logistik Unternehmen, das sich durch stabilen und konstanten Wachstum auszeichnet.

4) Vorstands-Geschlechterverteilung und Nachhaltigkeit

Frauenanteil in Vorständen
  • Frauenanteil (~4%]
  • Männeranteil (~96%)

Geschlechterverteilung in der Logistik Industrie

Nach einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2015 schwankt der Frauenanteil in der Logistikbranche von 2007-2015 zwischen circa 27%-30% [10]. Schaut man sich die Vorstände der größten 5 deutschen Logistikunternehmen an (Deutsche Post AG Schenker Deutschland AG Rhenus Logistics SE & Co. KG Dachser SE Kühne + Nagel (AG & Co.) KG), fällt auf, das von 26 Vorständen lediglich eine Person weiblich ist – das sind nicht einmal 4%. Das ist unter dem deutschen Durchschnitt von Geschlechterverteilung in Vorständen, dieser hat 2018 ~7% betragen [11].

Die Daten für die Graphik und den Text stammen aus unserer Datenbank und beziehen sich ausschließlich auf die (leitenden) Geschäftsführer*innen. Wenn Sie mehr über die Geschlechterverteilung in der deutschen Industrie erfahren wollen, finden Sie mehr Information in unserem Chemiereport, unserer Marktanalyse Maschinenbau und unserer Medizintechnik Marktanalyse.

Nachhaltigkeit in der deutschen Logistik Industrie:

Nach einer Umfrage von der Bundesvereinigung für Logistik (BVL) bedeutet für den Großteil (93%) in der Logistik arbeitende Menschen Nachhaltigkeit ein “Verantwortungsvolles und zukunftsorientiertes Handeln, mit Blick auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft”. Immernoch ein Großteil der Befragten sagt aus, dass Nachhaltigkeit in der Logistikbranche “(…) von strategischer Bedeutung [ist und] Einfluss auf Geschäftsmodell, Organisation und Prozesse” hat – Wie setzt die Logistikbranche also diese Bestrebungen um? Das größte Potentiale für nachhaltiges Handeln sehen die Expert*innen im Fuhrpark (34%) und in der Unternehmenskultur und dem Personalmanagement (33%) [12].

Logistik Industrie Deutschland: Unser BranchenreportNachhaltigkeit im Fuhrpark lässt sich durch verschiedene Ansätze erreichen – optimierte Auslastung um unnötige Strecken und Fahrzeuge zu verhindern, Kommunikation zwischen Fahrzeugen um Streckenauslastung zu optimieren und Staus zu vermeiden oder die Möglichkeit, direkt bei den Fahrzeugen anzusetzen. In letzter Zeit haben viele große Logistik- /Postunternehmen Schlagzeilen mit eigenen E-Flotten gemacht – so hat Amazon sich bei dem Auto-Start up Rivian 100.000 E-Vans bestellt, die bis Ende 2021 alle eingesetzt werden sollen [13]. In Deutschland gibt DHL den Ton an – mit selbst entwickelten und produzierten StreetScouter Fahrzeugen, 12.000 E-Bikes und E-Trikes besitzt die Gruppe die größte E-Flotte in Deutschland. Der Trend zeigt sich auch in der steigenden Anzahl an Start-ups in diesem Bereich. Ein interessantes ist das Start-up Volta Trucks aus England. Das Produkt ist ein vollelektrischer City-LKW, dessen Karosserie aus natürlich nachwachsenden Flachsfasern und biologisch abbaubarem Harzverbundsott entsteht. Mit dem Volta Truck können laut dem Startup über 75% CO2-Ausstoß reduziert werden.

Logistik Industrie in Deutschland: Unser BranchenreportNachhaltigkeit in der Unternehmenskultur und dem Personalmanagement ist natürlich ein breites Feld – angefangen bei der Vermeidung von Flugstrecken über Schulungen bis hin zu einer papierlosen Arbeit. Das Start-up essDOCs aus Malta bietet genau das an – eine komplett digitalisierte Unternehmenskultur. Dafür hat essDOCs verschiedene Lösungen, vor allem CargoDOCs ist relevant für die Logistik Branche. Die CargoDOCS Plattform ist webbasiert und sicher und digitalisiert alle notwendigen Schritte bei der Dokumentenarbeit, angefangen bei der Erstellung & Genehmigung bis zum Austausch & globalen Transfer von den elektronischen Originaldokumenten. Ein großes Problem ist natürlich, wie in jeder Branche, der hohe Plastikverbrauch, gerade von Einmalplastik. Startups wie Notpla lassen hoffen, das dieses Problem der Umweltverschmutzung in naher Zukunft lösbar ist. Notpla, wieder ein Startup aus England,  stellt einen Plastikersatz aus Algen her, der innerhalb kürzester Zeit komplett abbaubar und sogar essbar ist.

5) Statistiken und Fakten in der Logistik-Branche

  • Die fünf größten Marktbereiche der Logistik sind: Kontraktlogistik, Landverkehre, Standortgebundene Logistik, International Forwarding und KEP (Kurier-Express-Paket)
  • Logistik 4.0 wird von Big Data, E-Mobility, Autonomen und Vernetzen Fahrzeugen und Automatisierungen geprägt
  • Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg als wichtigste Logistik Standorte in Deutschland
  • Die Umsätze der Logistikbranche steigen konstant und stark
  • Marktführend sind große Konzerne, die Top 5 in Deutschland sind Deutsche Post AG Schenker Deutschland AG Rhenus Logistics SE & Co. KG Dachser SE Kühne + Nagel (AG & Co.) KG
  • Die Logistikbranche ist sehr männlich geprägt
  • Nachhaltigkeit im Fuhrpark und in der Unternehmenskultur werden von Logistiker*innen als am wichtigsten eingeschätzt
  • Start-ups wie Volta Trucks, essDOCs und Notpla sind Chancen zur Verbesserung der CO2-Bilanz

Einen detaillierten Einblick in andere Industrieunternehmen finden sie in unserer Liste der Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe.

Quelle Titelbild: Unsplash

Quellen (zuletzt abgerufen am 20.11.2020)

[1] https://www.bvl.de/service/zahlen-daten-fakten/umsatz-und-beschaeftigung#:~:text=Bedeutung der Logistik für die deutsche Wirtschaft&text=Rund 279 Milliarden Euro Umsatz,25 Prozent einen hohen Anteil

[2] https://www.bmvi.de/DE/Themen/Mobilitaet/Gueterverkehr-Logistik/Logistikstandort-Deutschland/logistikstandort-deutschland.html

[3] https://www.scs.fraunhofer.de/content/dam/scs/de/dokumente/studien/FraunhoferSCS_Top100_DE_2016_Auszug.pdf

[4] https://www.scs.fraunhofer.de/content/dam/scs/DE/publikationen/studien/maerkte-standorte-logistik/Branchenanalyse_Kontraktlogistik_Studie_FraunhoferSCS.pdf

[5] http://www.logistikweisen.de/wAssets/docs/ergebnisbericht-logistikweisen-2020.pdf

[6] https://www.lead-innovation.com/blog/trends-logistik

[7] https://www.logit-club.de/1/logistik-am-standort-nrw/zahlen-/-daten-/-fakten

[8] https://www.invest-in-bavaria.com/branchenvielfalt/logistik.html

[9] https://www.hamburg-logistik.net/fileadmin/user_upload/aktuelles/Publikationen/LogistikReport/2019_2020/LIHH-Report_2019_20.pdf

[10] https://www.researchgate.net/publication/338752784_Branchenanalyse_Logistik_Der_Logistiksektor_zwischen_Globalisierung_Industrie_40_und_Online-Handel

[11] https://de.statista.com/infografik/12465/geschlechterverteilung-in-deutschen-vorstaenden/

[12] https://www.bvl.de/nachhaltigkeit-umfrage

[13] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/kleinlaster-grossbestellung-warum-amazon-ausgerechnet-bei-rivian-100-000-elektro-vans-bestellt-hat/25035726.html?ticket=ST-17064460-J3hv4Arw7nJc4pPPcANA-ap6

Iconquellen (zuletzt abgerufen am 20.11.2020):

  1. LKW https://www.flaticon.com/authors/vignesh-oviyan
  2. Müll https://www.flaticon.com/authors/ddara
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