Definition: Chief Restructuring Officer (CRO)

definition Chief Restructuring Officer (CRO)

Mit dem Wort “Restrukturierung” wird die harte Sanierung eines Unternehmens in der Krise umschrieben – mit schmerzlichen Einschnitten und häufig auch Arbeitsplatzverlusten für die Belegschaft. Für die Restrukturierung verantwortlich ist der Chief Restructuring Officer (CRO) – häufig ein Manager auf Zeit, der von außen kommt. Wir beschäftigen uns hier näher mit der Begriffs-Definition.

Ein CRO wird meist kurzfristig ins Unternehmen berufen – “wenn es brennt” – und zum Mitglied der Geschäftsführung bzw. des Vorstands bestellt, manchmal auch als Vorstandsvorsitzender. In dieser Funktion entscheidet und verantwortet er die Restrukturierung und sorgt für die Umsetzung entsprechender Maßnahmen im Unternehmen. Das zeigt den Unterschied zum Sanierungsberater: ein Berater entwickelt eine Restrukturierungs-Strategie und schlägt Maßnahmen vor, er kümmert sich aber nicht um die Umsetzung.

Definition Chief Restructuring Officer: vom Krisenmanager zum Sanierer

Der Begriff “Chief Restructuring Officer” ist eine neuere Wortschöpfung. Bis in die 1980er Jahre sprach man von Krisenmanagern, danach von Sanierern. Beide Bezeichnungen waren zunehmend negativ besetzt, was nicht zuletzt an handelnden Personen lag. “CRO” klingt neutraler und funktionaler – wie andere Spitzenfunktionen in Unternehmen auch (Beispiele: CEO, CFO usw.). Mancher Sanierer hat sich einen zwiespältigen Ruf erworben. Berühmt-berüchtigt ist das Wirken von Ignacio López in der Autoindustrie, zuletzt bei VW in den 1990er Jahren. Als ausgesprochener Sanierer und Restrukturierer gilt auch Hartmut Mehdorn, der bei der Deutschen Bahn, bei Air Berlin und beim Flughafen-Projekt Berlin-Brandenburg tätig war – mit begrenztem Erfolg. Häufig werden Chief Restrucutring Officers auch von Investoren wie etwa Private Equity Fonds bestellt.

Aufgaben und Profil eines Chief Restructuring Officers

Die meisten Restrukturierer machen wenig von sich reden und konzentrieren sich auf ihre Aufgabe. Das gehört zum Selbstverständnis. Viele sind im Bereich des Mittelstands tätig, bei dem das öffentliche Interesse ohnehin geringer ausgeprägt ist. Gute CRO’s sind nicht leicht zu finden, denn die Restrukturierung ist eine anspruchsvolle und schwierige Herausforderung, die neben Know How und Erfahrung gestandene Persönlichkeiten erfordert. Gerade auf die sogenannten Soft Skills kommt es an – wobei ein CRO alles andere als soft sein muss. Er braucht nämlich vor allem eins: Durchsetzungsfähigkeit. Folgende Eigenschaften sollte ein CRO in unserer Definition mitbringen:

– soziale Kompetenzen (Kommunikationsfähigkeit, Überzeugungsfähigkeit);
– Verbindlichkeit;
– hohe kognitive Fähigkeiten (Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Herstellung von Zusammenhängen, “strategischer Weitblick” usw.);
– Umsetzungskompetenz (“Macher”-Persönlichkeit”)
– unternehmerisches Denken- und Handeln;
– Stressresistenz und Widerstandsfähigkeit;
– Problemlösungskompetenz;
– Konfliktbereitschaft und Standfestigkeit.

Der neutrale Blick des Außenseiters

Solche Kompetenzen erwirbt man üblicherweise nicht in jungen Jahren und kann sie auch nur bedingt lernen. Viele CRO’s sind deutlich jenseits der 40 und verfügen über langjährige Management-Expertise in unterschiedlichen Funktionen. Die Tätigkeit als CRO bedeutet häufig eine Chance, der eigenen Karriere nochmal Schub zu geben und gewohnte Pfade zu verlassen. Als “Außenseiter” bringen CRO’s den Vorteil mit, die Unternehmenslage unvoreingenommen zu sehen und nicht in interne Beziehungsgeflechte verstrickt zu sein. Das erleichtert ihre Aufgabe, weil keine Rücksichten zu nehmen sind und es nicht um eine Beschäftigung auf Dauer geht. Andererseits sehen sich CRO’s häufig einem besonders argwöhnischen Blick seitens der Beschäftigten und auch ihrer Management-Kollegen gegenüber. Um erfolgreich zu wirken, müssen erst interne Widerstände überwunden werden.

Dieser Beitrag ist Teil unserer Statistiken und Definitionen der deutschen Investmentbranche.

Bildquelle: Jesse Orrico

Listen von Private Equity Investoren, die in Restrukturierungsfälle investieren

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